Interview mit Peter Schreck (Coworking Cologne)

Hallo Peter, erstmal Danke für die Chance, dir ein paar Fragen zu stellen. Wie bist du mit dem Konzept des CoWorking in Verbindung gekommen? Gab es einen besonderen Moment in dem dir die Vorteile des Coworking bewusst geworden sind?
Ich bin von der forschenden Seite auf das Thema “Coworking” gekommen. Vor ca. 5 Jahren habe ich im Rahmen meines Business Design Aufbaustudiums an der Zollverein School of Management & Design in Essen eine Hausarbeit bei Prof. Franz Liebl zu dem Thema “Sucht und erforscht einen Trend, den es jetzt noch nicht gibt, der aber in Zukunft bedeutend werden könnte.” gearbeitet. Bei der Themensuche für die Hausarbeit saß ich im Café. Inspiriert durch die vielen anderen Laptop Benutzer, um mich herum, habe ich mir die Frage gestellt, ob das Café in Zukunft wohl der optimale Arbeitsort für immer mehr freiberuflich arbeitende Kreativarbeiter werden wird. Bei meinen Recherchen im Internet habe ich dann schnell festgestellt, dass es zu dem Thema weltweit viele offene Fragen, aber noch kaum produktive Antworten gab. Coworking, gab es zu dieser Zeit als Begriff noch nicht. Seitdem hat mich das Thema und die Suche nach produktiven Antworten & Geschäftsmodellen gefesselt.
Welche Brücke besteht zwischen Coworking Strukturen und der Kreativwirtschaft? Welche Berufsgruppen findet man bei Coworking Cologne hauptsächlich?
Unter den 12 Personen, die im Mai 2010 den Coworking-Space Gasmotorenfabrik in Köln Mülheim aus der Taufe gehoben haben, waren ein Gestalter, ein Architekt, 5 Programmierer, 1 Markenberaterin, 1 Innovationberater, 1 Online-Konzepter, 1 Maschinenbauingenieur. Dieses Verhältnis hat sich bis heute ungefähr gehalten. Mittlerweile nutzt eine Community von ca. 60 Personen, viele davon Programmierer, den Coworking-Space. Einige davon arbeiten dort jeden Tag, andere kommen nur sporadisch, z.B. für Meetings vorbei. Welche Community sich in den nächsten Wochen und Monaten im gerade eröffneten betahaus I Köln in Ehrenfeld zusammenfinden wird, bleibt abzuwarten. Aber schon jetzt ist zu erkennen, dass sich ein bunter, wenn man so will kreativwirtschaftlicher Mix aus kleinen Agenturen, Textern, Architekten, Gestaltern und Journalisten sehr von der Location, derem Ambiente und Betreiberteam angesprochen fühlt.
Wie entsteht eine gute Coworking Gemeinschaft?
Vor allem die Intentionen und das Verhalten des Gründer-/Betreiberteams prägen die Stimmung und Gemeinschaft in einem Coworking-Space extrem stark. Deswegen ist ein Business-Center, welches Schreibtischstühle vermietet und professionellen Telefonservice vermarktet auch kein Coworking-Space. Die Seele fehlt. Damit sich eine “gute” Gemeinschaft bilden kann, braucht es “gute” gemeinsame Erlebnisse. Die meisten Coworking-Sapces veranstalten deswegen regelmäßig Abendveranstaltungen und laden Ihre Coworker z.B. 1x Woche zum gemeinsamen Frühstück oder Mittagessen ein.
Entstehen viele gemeinsame Projekte durch eine Coworking Gemeinschaft?
Der Begriff “Coworking”, der im deutschen mit “zusammenarbeiten” übersetzt wird, sollte nicht zu dem Schluss verleiten, dass “alle” Coworking-Space Nutzer ständig und überall nach Synergien mit ihren Tischnachbarn suchen und darauf brennen neue gemeinsame Projekte zu initiieren bzw. gemeinsame Akquiseversuche zu starten. Viele kommen auch ganz einfach in den Coworking-Space, weil Ihnen zu Hause die sozialen Kontakte fehlen, und nach einer gewissen Zeit im Home-Office, die eigenen vier Wände zu eng werden. Aber natürlich ist dort, wo viele unterschiedliche Menschen regelmäßig aufeinandertreffen und miteinander kommunizieren, der “Serendipity bzw. Bump-In Faktor”, der zu einer Zusammenarbeit führt, ungemein höher, als an Orten wie z.B. Cafés an denen zwar auch viele unterschiedliche Menschen mit Laptops sitzen, jeder aber meist für sich allein bleibt.
Wie wird man Coworker? Gibt es Dinge, die man als Coworking Neuling beachten sollte?
Das ist ja das tolle am Coworking. Einfach vorbeikommen. Laptop einschalten und loslegen. Eine Reservierung ist nicht erforderlich. Innerhalb von ein paar Minuten ist man Coworker. Wie lange und wie oft bleibt dann jedem selber überlassen.